25. Januar 2016

In fünfunddreißig Millimetern um die Welt: KultKino zu Gast bei Mondo Bizarr

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Mondo Bizarr 2016

Christian weiß, wie man mich in die Black Box nach Düsseldorf lockt. die bunt gemischte Tüte mit 35mm-Leckereien in XL und nebenbei ein Tipp für die wahrscheinlich besten Pommes-Erdnuss der Stadt. Mondo Bizarr, ich bin dabei!

Auch das Kongula-Forum und andere Freunde der analogen Filmkunst haben ihr Kommen angekündigt. Ich hatte gar keine andere Wahl: Der Mondo Bizarr – Termin war – ganz der Fulci-Style – schon seit Wochen in die Haut geritzt und mit gelöschtem Kalk gehighlightet.

Tag 1, Freitag

Ankunft gegen halb 6, jetzt schnell zum Filmsyndikat! Hier wartet bereits halb Kongula mit einem VIP-Zugang in die Inventurzone auf mich. Gleich nebenan befindet sich Filiale 2 der Pommes-Erdnuss-Empfehlung von Christian. Was für ein perfektes Prolog-Double-Feature, so der Plan.

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Doch unterwegs versagt meine Google Maps Analog App (Karte auf richtigem Papier) und ich hole mir die freundliche Wegauskunft eines Eingeborenen ein. „Freundlich gegebene Auskünfte sind die schlimmsten“ werde ich erst nach der Bewahrheitung aufgeklärt. Die Folge war ein knapp einstündiger Irrlauf und die Planänderung, gleich zu HotSpot 2 der Gigan-Roadmap zu springen, um keinen Meter der heiss ersehnten Zelluloidrolle zu verpassen.

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Die Pizza war eine gute Alternative und die Kongula-Truppe im XL-Format anwesend, in ihrem witzigen, jugendlich-erfrischenden Charme. Es war wie immer ein Fest!

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Auf dem restlichen Weg zum Kino aktiviert Frank seine Regen-App und wir legen einen Zahn zu.

In der Black Box angekommen herrscht dort schon reges Treiben und weitere Freunde, welche ich seltener als ein auf 99 Exemplare limitiertes Mediabook eines als verschollen geglaubten Kaijūs zu sehen bekomme, gesellen sich dazu.

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Christian übergibt mir auf das auf Paul Naschy ausgestellte Dauerticket und wir betreten, mit Hopfentee bewaffnet, den heiligen Raum. Der gesellschaftliche Aspekt wird noch ein wenig zur Seite gestellt, denn Monster aus dem All wollen uns mit grünem Schleim beglücken.

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Monster aus dem All hat nicht nur den Film Alien vorweg genommen und H.R. Giger von jeglicher Inspiration verschont… wer weiss, vielleicht würde es ohne Monster aus dem All heutzutage weder Alien noch Like-Buttons geben!

Die famose Idee, zwei Kinogranaten unterschiedlichster Bauart zu verquirrlen, um einen Kassenschlager dank maximal erweiterter Zielgruppe zu erreichen, ist bei Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo wahrscheinlich extremst in die Hose geflutscht. Drogendrama meets Klamauk im Mädchenduschraum, Goldener Schuss und Theo-Lingen-Sprüche, das ist wie Birne auf Pizza; oder Erdnuss auf Pommes: Außergewöhnlich, ein Abenteuer für alle Sinne und jeder Biss ein Genuss!

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Großartig auch die jeweils zur Einstimmung gezeiten Trailer und Werbespots, welche hervorragend auf den jeweiligen Hauptgang abgestimmt sind. Ausgeburt der Hölle! Düsseldorfer Frisörladen!

Tag 2, Samstag

Düsseldorfer Hotel, ohne Zwillinge.

Hotel. Ohne Zwillinge.

Die Nacht war kurz und der Samstag sollte der längste Tag dieser Geschichte werden. Das kommt mir sehr entgegen: Ich bin ja kein Sprinter und lieber mal länger unterwegs.

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Das an die Black Box angeschlossene Filmmuseum ist einen ausgiebigen Besuch wert. Reale 3D-Effekte, den Jugendschrank von Christoph Schlingensief, das Kleid der Baronin von Blut an den Lippen, analoge GIFs und 1000 weitere cineastische Faszinationen.

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Dopplereffekt.

Der Jugendschrank von Christoph Schlingensief

Interaktives Filmmuseum: Fotografiere Deinen Schatten.

Interaktives Filmmuseum: Fotografiere Deinen Schatten.

Das anschließende kulinarische Highlight ist ein veganer Burger mit würzigem Gemüse-Rösti auf scharfer Avocado – ein Gedicht!

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Und dann wurde es so richtig sportlich! Bruce Lee gegen die Supermänner  (Bruce Lee wird gespielt von dem mit einem „i“, nicht mit einem „e“ und schon gar nicht von dem mit zwei „e“)! Ein Film wie eine Verfolgungsjagd! Sehr konsequent in der Umsetzung. Wenn die Rikscha zur Waffe mutiert hat Superman ausgelacht! Bruce Lee gegen die Supermänner ist der beste Verfolgungsploitationer, den ich jemals gesehen habe! Ich bin begeistert!

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Anschließend lud Mondo Bizarr zu einer Führung durch die abgelegensten Schächte der Londoner U-Bahn ein, kommentiert von einem bestgelaunten Donald Pleasence! Die Reiseleitung übernahm ein dezent angegammelter Ex-Bauarbeiter dritter Generation, mit einem leicht eingeschränkten Wortschatz. Und sogar Christopher Lee (der mit zwei „e“, nicht mit einem und schon gar nicht mit „i“) steht irgendwo einsam in einem Raum und redet eine Minute über den CI5.

 

Die darauf folgende Pause war zu kurz, um Pommes-Erdnuss zu ergattern, der Libanon und eine exzellente Falafelrolle lagen näher und stellten sich als würdige Alternative heraus.

Auch der Projektor durfte jetzt ein wenig abkühlen, da Christian Keßler zu einem spaßigen Filmabend unter Freunden einlud. Wein, Weib und – großartig! – Gesang! Ob Schneemann bauen oder technische Hürden überspringen – eine fröhliche Melodie auf den Lippen, einen Pimmelhasen in der Hand und schon die Welt ist wieder in Ordnung. Ich habe mich köstlich amüsiert und natürlich stets mit und nicht über die Filme gelacht.

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Von Dur zu Moll wandelte sich der Ton, als Sternekoch Lucio F. aus I. reichlich Erdbeersorbet zum Mitternachtsmahl serviert. Eigentlich war ich ja noch satt, aber so ein paar Tellerchen gehen immer.

Tag 3, Sonntag

Der Sonntag war für mich dank langer Heimreise leider kürzer als das gebotene Programm.

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Curucu, die Bestie vom Amazonas! Curucu (ausgesprochen KU-RU-SUU), der „Monsterpapagei“, welcher hinter den wilden Curucu-Wasserfällen beheimatet ist, kratzt Kolonial- bzw Globalisierungskritik an, würde sich mit seiner sexistischen Leitkultur keine Freunde bei Attac & Co machen. Ungewöhnlich schöne Landschaftsaufnahmen für einen 50er Jahre „Monsterfilm“, tolle Schrumpfköpfe und säuberlich abgenagte menschliche Gliedmaßen stehen auf der positiven Liste von Curucu. Eine erstklassige Sonntagmittagwahl!

Dann musste ich leider meine sieben Sachen (ich übertreibe, so viele waren es gar nicht) packen, ein flüchtiges Danke, Gerne Und Hoffentlich Bald Wieder und Tschüss in die Runde, um das kleine Zeitfenster bis Zugabfahrt mit der Jagd auf die besten Pommes mit Erdnuss-Soße zu nutzen.

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Und? Wie ging mein ganz persönlicher Mondo Bizarr Film aus? Happy End? Ok, ich verrate es lieber gleich, denn… „Lieber den Spannungsbogen in der Hose als den Spannungsbogen im Film“ (extremst frei zitiert aus Der Schmelzmann in der Leichenmühle).

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Ich freue mich schon riesig, einige der Gesichter des Mondo Bizarr beim KultKino am 4. Juni 2016 in Dillingen wieder zu sehen!

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